Berufsorientierung

Realschule Patternhof

Konzept Berufswahlorientierung und Berufswahlvorbereitung seit Schuljahr 2011/2012

(Evaluation 2012)

Seit Beginn des zweiten Halbjahres 2010 / 2011 bzw. seit Beginn des neuen Schuljahres wird an der Realschule Patternhof eine modifizierte Berufswahl-Orientierung und Berufswahlvorbereitung etabliert.

Dies geschieht auf der Grundlage der Vorgaben des Ministeriums und der BASS 12-21 Nr. 1, die eine Ausbildung bzw. Hinführung der SchülerInnen bereits ab Klasse 5 vorsehen.

Das Konzept soll den veränderten Anforderungen Rechnung tragen. Neben der schülerorientierten und zeitgemäßen Ausrichtung dieses gerade für die Realschule wichtigen Standbeines liegt der Schwerpunkt in der Einbindung der SchülerInnen und vor allem in der Förderung ihrer Persönlichkeit und der Chance, ohne frühzeitige rollentradierte Festlegung von Beginn an zu „starken Kindern“ zu formen, die ihren Weg selbstbewusst und eigenverantwortlich gehen können.

Zusätzlich zu den bisherigen Maßnahmen werden vor allem die regionalen Betriebe eingebunden, die unseren SchülerInnen auch die Möglichkeit eines Praktikums bieten.

Die Einrichtung eines Berufs-Informations-Abends (BeInPatt) nur für die Schüler der Realschule Patternhof ist neu und ist im Jahr 2011 Jahr erstmalig sehr erfolgreich durchgeführt worden. Der Termin für dieses Schuljahr wurde auf den 12. Juni festgelegt.

Wir wollen unseren SchülerInnen mit diesem innovativen Konzept ein breiteres Spektrum für die Zeit nach der Realschule bieten und damit die Möglichkeit, in einem vertrauten Umfeld – der Schule – Kontakte zu weiterführenden Schulen und zu den Firmen der Region zu knüpfen.

Im Folgenden ist die Konzeption nach Jahrgangsstufen aufgeteilt dargestellt. Endziel ist die Einrichtung eines BOB (Berufs-Orientierungs-Büros), angepasst an die Ressourcen unserer Schule. Die SchülerInnen werden über die SV in den Entwicklungsprozess ebenso mit einbezogen wie die KollegInnen, da ein solches Vorhaben nur gelingen kann, wenn alle sich damit identifizieren.

Die Module für die einzelnen Jahrgangsstufen beruhen auf den gegebenen Möglichkeiten, sowohl finanzieller als auch personeller Art. Für alle verbindlichen Elemente liegen die Materialien bereits vor, so dass keine Mehrarbeit für die KollegInnen entsteht. Einige Module werden in veränderter Form im nächsten Schuljahr angeboten, da der Zeitaufwand (z.B. für Hin- und Rückweg) zu hoch war. Aber auch hier sind schon Alternativen gefunden. So ist die Potentialanalyse und die vom Ministerium gewünschte Berufsfelderkundung bereits sichergestellt durch die Kooperation mit einem Bildungsträger der Städteregion. Die Zustimmung durch die Schulmitwirkungsgremien erfolgt auf den entsprechenden Konferenzen.

Die Dokumentation sollen die SchülerInnen in Eigenverantwortung leisten. Der Berufswahlpass (der bei uns aus Kostengründen aus einer selbst gestalteten Mappe besteht) dient als Leitfaden und auch für die Schule als Hilfe bei der Ausbildung und Förderung methodischer, sozialer und persönlicher Kompetenzen.

Idealerweise verfügt so jeder Schüler, jede Schülerin am Ende der Realschulzeit über ausreichende Informationen und Dokumentationen, die bei der Berufswahlvorbereitung bzw. der Lebensplanung helfen.

Jahrgangsstufe 5

Wichtig ist, dass hier vor allem spielerisch mit dem Thema „Persönlichkeitsbildung“ begonnen wird. Der Schwerpunkt liegt sicher in der Erarbeitung methodischer Kompetenzen und des Selfmanagement. Dazu können viele Elemente des Methodentrainings „Lernen lernen“ übernommen werden, die bereits vorliegen. Zudem liegen die „Starke Seiten“ (Band 1 und Arbeitsheft) vor, die sich zu Beginn auf Basiskompetenzen beschränken.

Hier geht es um Selbsteinschätzung, Stärken entdecken, Konflikte lösen, aber auch Kompetenzraster lesen können und Unterlagen ordnen. Materialien als Kopiervorlage und Zusatzmaterialien in digitaler Form liegen vor.

Die Einbindung in den Stundenplan erfolgt durch 1 Wochenstunde, die durch den Klassenlehrer erteilt wird.

Als externe Lernorte bieten sich die örtliche Feuerwehr, eine Gärtnerei, die Stadtbücherei oder ähnliches an. Angebote gibt es auch durch RWE und das Stadttheater in Aachen. Weiterhin kann durch ein Projekt zum Thema „Mein Traumberuf“ eine erste Einführung in die Berufsprofile stattfinden. Über Plakate und kleinere Vorträge informieren sich die Schüler gegenseitig über die Berufsbilder und hängen ihre Ergebnisse in der Klasse aus.

Dokumentiert wird dieser Einstieg in der dafür angelegten Mappe, da auch hierfür Vorlagen zur Verfügung stehen.

Am Ende der Klasse 5 sollte eine Zusammenfassung erfolgen, die den SchülerInnen nochmals die Möglichkeit bietet, fehlendes Material zusammen zu stellen bzw. zu ergänzen und einen motivierten Jahresabschluss zu finden, bezogen auf ihre Stärken und Fähigkeiten und die Erfolge bei der Minimierung der Schwächen.

Jahrgangsstufe 6

Im Prinzip findet die spielerische Erarbeitung hier ihre Fortführung und die Einbindung in den Stundenplan erfolgt wie in Klasse 5.

Sinnvoll ist hier – von externer Seite – sicherlich die Vorstellung ehrenamtlicher Tätigkeiten durch die örtlichen Organisationen (1. Projekttag).

Von Bedeutung für die Schullaufbahn ist aber auch die Beschäftigung mit den Möglichkeiten an unserer Schule, da am Ende der Orientierungsstufe ein Schwerpunkt gewählt werden muss.

Schnupperkurse – die bereits existieren – können hier mit einer Elternberatung einhergehen. Diese Schnupperkurse werden in den Fächern Technik, Informatik und Sozialwissenschaften angeboten. Die Durchführung in diesem Jahr hat gezeigt, dass jeweils 1 Schulstunde für eine halbe Klasse zu wenig ist. Im nächsten Jahr soll dies durch Doppelstunden aufgefangen werden, so dass den SchülerInnen ein realistischer Einblick gewährt werden kann.

Weitere Bereiche, die der Stärkung und Ausbildung der Persönlichkeit dienen sind z.B. Verantwortung tragen, Informationen über Betriebe finden, Arbeitsplätze erkunden, Berufe früher und heute.

Auch hier sind die Materialien bereits vorhanden (Starke Seiten, Band1- Teil 2) und können eingesetzt werden. Zusatzmaterialien zu den Themen Arbeitslosigkeit, unsere Gesellschaft und zum Thema Demokratie sind ebenfalls vorhanden.

Ein Projekttag – z.B. die Geschichtswerkstatt des Zinkhütter Museums in Stolberg – bietet sich an und das Führen von Interviews in der Familie oder Umgebung zu den unterschiedlichen Berufsbildern.

Am Ende der Klasse 6 sind so grundlegende Kompetenzen erworben, die die Individualisierung ab Klasse 7 vorbereiten und ermöglichen.

Jahrgangsstufe 7

Auch in dieser Jahrgangsstufe stehen uns die Materialien aus „Starke Seiten“ (Band 2 und Arbeitsheft) zur Verfügung. Die spielerische Kompetenzstärkung tritt allerdings nun etwas in den Hintergrund und es erfolgt mehr Individualisierung.

Vorstellbar ist dies im WP-Bereich (Ausflug nach Verviers, Lüttich usw. oder Betriebsbesichtigung mit dem Technik/Informatikkurs).

Bereits installiert ist die Sexualerziehung durchgeführt vom SKF (Sozialdienst Katholischer Frauen) für die Klassen 7. Als außerschulischer Partner geht dieses Angebot über den normalen Sexualkundeunterricht hinaus. Das Programm des SKF liegt der Schule vor.

Über den weiteren Kompetenzerwerb hinaus sollen 2 Projekttage stattfinden. Beim ersten Tag geht es um Übungen zum Teamwork, d.h. hier stehen die sozialen Kompetenzen im Vordergrund.

Ein zweiter Projekttag kann klassenintern erfolgen (Materialien liegen vor) oder durch außerschulische Partner organisiert sein.

Am Ende des Schuljahres sollte in jedem Fall überprüft werden, ob die Dokumentation vollständig ist und die notwendigen Kompetenzen erworben werden konnten.

Jahrgangsstufe 8

Zu Beginn der Klasse 8 können noch „Reste“ aufgearbeitet werden, damit die SchülerInnen von etwa gleichen Voraussetzungen ausgehend, in die Endphase der Persönlichkeitsfindung und des Kompetenzerwerbs eintreten.

Die „Starke Seiten“ –Arbeit sollte spätestens jetzt zu Ende geführt und im BWP dokumentiert werden.

Durch die Kooperation mit dem Sozialwerk Aachener Christen als Bildungsträger werden hier einige Änderungen vorgenommen. Die Potentialanalyse wird im ersten Halbjahr durchgeführt und im zweiten Halbjahr werden die Schüler dann die Berufsfelderkundungen durchführen. Die Möglichkeiten, sich individuell zu informieren und mit außerschulischen Partnern an außerschulischen Lernorten in Kontakt zu treten, ist eine wichtige Erfahrung, die auf den späteren Übergang vorbereitet.

Am Ende der achten Klasse werden die SchülerInnen verbindlich zum Berufs-Informations-Abend an unserer Schule eingeladen, um so bereits erste Kontakte bezüglich der Praktikumsstellen knüpfen zu können.

Natürlich sind individuelle Beratungsgespräche für SchülerInnen bzw. Eltern jederzeit im BOB möglich.

Auch der Girls´ bzw. Boys´ Day wird unseren Schülerinnen und Schülern sehr empfohlen, da hier ganz speziell auf rollentradierte Vorgehensweisen verzichtet wird.

Jahrgangsstufe 9

Mit Beginn des 9. Schuljahres beginnt für die SchülerInnen die wichtigste Phase der Berufswahlorientierung und –vorbereitung.

Zu Beginn des Schuljahres findet ein Informationsabend bezüglich der Bestimmungen und der Durchführung des Praktikums statt. Dies soll – anders als bisher – zu einem gemeinsamen Termin mit den Klassenpflegschaftssitzungen stattfinden, damit die Eltern nur einmal zur Schule kommen müssen. Der Termin liegt innerhalb der ersten 3 Schulwochen nach den Sommerferien und wird in Abstimmung mit den Klassenlehrern und der Schulleitung festgelegt.

Im Anschluss daran erhalten die Klassenlehrer der Klassen 9 die notwendigen Unterlagen, die benötigt werden bei der Suche nach einem Praktikumsplatz. Wenn ein Schüler / eine Schülerin keinen Praktikumsplatz findet, unterstützt das BOB. Im Übrigen erfolgt die Vorbereitung des SBP (Schüler-Betriebs-Praktikums) durch die Politik- und Klassenlehrer.

Außerdem werden zwei Orientierungstage eingerichtet.

Der erste Orientierungstag dient der Einführung und Vorbereitung durch den Berufsberater, Herrn Offermanns und eines externen Partners. Diese Veranstaltung wird zweistündig pro Klasse angesetzt.

Weiterhin werden im normalen Unterricht Lebenslauf, Bewerbungsanschreiben und auch das Üben von Bewerbungsgesprächen (BOB) eingebunden.

Das Praktikum selbst erfolgt in der Regel in den ersten 3 Märzwochen, danach erfolgt die Nachbereitung und die Abgabe der Praktikumsmappen, die nach festen Vorgaben erstellt werden müssen und die in Art und Umfang verbindlich neu definiert werden. Eine Mustermappe wird den „betroffenen“ KollegInnen von der Berufswahlkoordinatorin zur Verfügung gestellt. Bestimmte Elemente müssen enthalten sein, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Die Korrektur und Bewertung der Praktikumsmappen erfolgt durch die Klassenlehrer. Auch hierfür wurde ein Raster erstellt. Eine Bewertung des Praktikums auf dem Zeugnis erfolgt nicht mehr, das Praktikum wird lediglich testiert.

Nach den Osterferien (Mai) findet der alljährliche Einstellungstest bei der Sparkasse statt (2. Orientierungstag). Hier haben die SchülerInnen die Möglichkeit, eine solche Prüfungssituation auszuprobieren.

Die Teilnahme am Berufs-Informations-Abend vor den Sommerferien ist für alle SchülerInnen verpflichtend und auch die Eltern und Klassenlehrer sollten teilnehmen. Die Eltern erhalten rechtzeitig eine Einladung mit der Information, dass die Teilnahme für die SchülerInnen verbindlich ist.  Diese Veranstaltung dient der Kontaktaufnahme zu den Firmen der Region bzw. der Information über die möglichen Übergänge an weiterführende Schulen. Die  Berufs-Beratung wird ebenfalls mit einem Informationsstand vertreten sein.

Besonders wichtig ist in diesem Stadium die Dokumentation, damit die SchülerInnen am Ende der Realschul-Laufbahn eine lückenlose Dokumentation ihrer Kompetenzen bzw. der Erweiterung und Stärkung ihrer Kompetenzen vorweisen können.

Jahrgangsstufe 10

Zu Beginn der Klasse 10 müssen die Schüler einen relativ gesicherten Wissensstand darüber haben, welche Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen und was ihren Stärken, Vorlieben und Fähigkeiten entspricht.

Natürlich werden sie vom BOB und der Berufsberatung bei Bedarf jederzeit unterstützt.

Bewerbungsgespräche können weiterhin geübt werden, individuelle Beratung ist jederzeit möglich.

Nach Möglichkeit wird den Schülern ein Kommunikationstraining oder Job-Coaching angeboten.

Eine abschließende Betriebsbesichtigung (z.B. RWE) ist aufgrund der regionalen Verbundenheit sehr gewünscht.

Für Termine bei der Agentur für Arbeit oder einen Besuch der weiterführenden Schule ist eine Beurlaubung, die rechtzeitig erfolgt und über die Schulleitung genehmigt wurde, möglich.

„Probearbeiten“ sollte nach Möglichkeit in der unterrichtsfreien Zeit bzw. am Samstag erfolgen und kann deshalb nur in begründeten Ausnahmefällen genehmigt werden.

Erstmalig in diesem Schuljahr bieten wir den SchülerInnen an zwei Projekttagen ein Rundumpaket vor der Entlassung an. Die Themen hierbei sind: Knigge-Training, Steuern zahlen, Renten- und Sozialversicherung und Verhalten im Straßenverkehr.

Im Übrigen haben die Schüler der Klasse 10 kurz vor ihrer Entlassung nochmals – auf freiwilliger Basis – Gelegenheit, am Berufs-Informations-Abend teilzunehmen.

Allgemeines

Die Schülerinnen sollen mehr Eigenverantwortung übernehmen und nicht – wie bisher häufig geschehen – nur rezeptiv teilnehmen.

Die Besuche im BIZ werden nicht mehr stattfinden, da sie für viele Schüler nicht relevant sind (weiterer Schulbesuch).

Auch der Besuch der Ausbildungsmesse findet auf privater Basis statt.

Im Gegenzug wird den SchülerInnen hier ab Klasse 5 ein geschlossenes Konzept angeboten, das ihnen den Weg zeigt, sich rechtzeitig und verantwortlich vorzubereiten.

Natürlich wird dieser Weg jederzeit von KlassenlehrerInnen, PolitiklehrerInnen und durch die Berufswahlkoordinatorin begleitet und unterstützt.

Bezüglich des Praktikums wird auf dem Zeugnis nur die Dokumentation des SBP erfolgen, keine Note. Die Praktikumsmappe hingegen wird nach einem für alle Klassen einheitlichen Schema durch die Klassenlehrer bewertet. Hierbei finden selbstverständlich auch Form und sprachliche Korrektheit Beachtung.

Die Berufswahlkoordinatorin erstellt eine Mappe, die jederzeit eingesehen werden kann und die alle aktuellen Anforderungen, die für das Praktikum relevant sind, enthält (Korrespondenz mit Eltern, Firmen, Bewertungsformulare für die Firmen und die Schüler, Vordrucke zur Bescheinigung des Praktikums usw.)

Dieses Konzept wurde durch die Lehrerkonferenz vom 7. Juni 2011 einstimmig angenommen und wird in den geänderten Punkten erneut in den Schulgremien vorgestellt.

Elke Cornetz

20. Mai 2012