Kunst: Interview

Interview mit der Kunst

Reporter: 50 Jahre Realschule Patternhof in Eschweiler. War die Kunst von Anfang an dabei?

Kunst: Natürlich! In den 50er Jahren, unter Herrn Hoppe als Direktor, hatte die Kunst in der neu erbauten Schule einen großen „Zeichensaal“ zur Verfügung und einen sehr guten Vertreter unserer Zunft, den Künstler Josef Kuckartz. Noch heute sehen wir sein mit den Schülern gestaltetes Mosaik im Foyer der Schule. Es stellt einen Hahn dar, der das Symbol der Schule ist und als Logo auf dem Briefkopf des Fördervereins unserer Schule zu sehen ist.

Reporter: Wie ging es dann weiter?

Kunst: Nun, mit den Jahren wuchs die Schülerzahl und aus der reinen Jungenschule wurde eine gemischte Schule; es kamen die Mädchen dazu. Da man dringend neue Räume brauchte, wurde der altehrwürdige Zeichensaal zu zwei Klassenräumen umfunktioniert. Das sind übrigens unser heutiger Kartenraum und die Schülerbibliothek.

Reporter: Und wo blieb die Kunst?

Kunst: Tja, die Kunst war verwaist, denn Herr Kuckartz verließ die Schule und somit fand der Kunstunterricht nur noch sporadisch statt.

Reporter: Wann änderte sich das?

Kunst: 1981 trat Frau Lahnstein in diese künstlerische Diaspora ein. Ohne „Zeichensaal“, bepackt mit Tragetaschen voll Material, wanderte sie von Klasse zu Klasse, um den Schülern die Kunst näher zu bringen.

Reporter: Gab es außer Frau Lahnstein keine Kunstlehrer?

Kunst: Nein; erst 1989 gesellte sich Frau Dittmann dazu. Gemeinsam mit Frau Lahnstein kämpfte sie für die Kunst, die mittlerweile in den Keller verbannt war.

Reporter: Nicht gerade tolle Aussichten für die Kunst!

Kunst: Da haben Sie Recht. Es war beengt; die Räume waren düster und standen auch gelegentlich unter Wasser. Doch die Kunst brauchte nicht lange traurig zu sein: Die Räume wurden saniert und mit Frau Schella kam eine weitere Vertreterin der Kunst an unsere Schule. Eine stimmgewaltige Frohnatur, muss die Kunst schon sagen: Immer gut drauf und sehr temperamentvoll. Sie war es, die Leben und Farbe in den Keller und die Flure brachte. Auch ihre Kunstwerke – mit Schülern gemeinsam gestaltet – sind noch heute zu bestaunen. Ein Rundgang lohnt sich also.

Reporter: Die Schule wuchs weiter, die Schülerzahlen stiegen ständig. Heute sind es über 1000 Schüler. Konnte die Kunst denn allen gerecht werden?

Kunst: Ja, mit der Kunst ging es nun bergauf beziehungsweise treppauf. Durch eine neue Schulleitung erhielt die Kunst in den 90er Jahren zwei große, helle Kunsträume, sogar mit Materialraum und einer entsprechenden Einrichtung. Jetzt ging es der Kunst so richtig gut und dank eines weiteren neuen Schulleiters, Herrn Schwane, wurde jedes Kind von der fünften bis zur zehnten Klasse im Fach Kunst unterrichtet.

Reporter: Apropos Materialraum: Da kann man ja viel Material horten.

Kunst: So ist es, die Kunst ist ein „Lumpensammler“, sie kann alles gebrauchen. Wir bekommen viel geschenkt: Papiere, Stoffe, Korken, Folien, etc; irgendwann wird daraus ein Kunstwerk.

Reporter: Wie sieht es denn mit dem „Schülermaterial“ aus?

Kunst: Sie meinen wohl die Schüler! Ja, das ist manchmal so eine Sache und oft nicht einfach. Wie Karl Valentin sagte: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Die Kleinen, das heißt die fünften und sechsten Klassen, sind begeistert und oft so eifrig dabei, dass es der Kunst in den Ohren dröhnt. Ja, und dann sind da noch die siebten, achten und neunten Klassen. Die Kunst nennt sie die „Pubis“. Diese Spezies ist oft schwer zu begeistern. Sie haben natürlich in dieser Zeit alles andere im Kopf als Schule und glauben auch, dass sie „Kunst nicht können“. Sie sind entsprechend unwillig und oft dann doch überrascht, wenn etwas Tolles und Schönes dabei herauskommt und dann macht’s allen Spaß und die Kunst hat gewonnen.

Reporter: Hört sich gut an. Hat die Kunst an der Realschule Patternhof noch andere Mitstreiter auf dem musischen Gebiet?

Kunst: Natürlich, wir verfügen über einen großen musischen Zweig. Vor einiger Zeit gesellte sich Frau Lenzen als weitere Kunstlehrerin dazu. Außerdem haben wir drei Musik- und drei Textillehrerinnen. Wir befruchten uns – wie man so schön sagt – gegenseitig und tauschen Ideen aus beziehungsweise planen Fächer übergreifende gemeinsame Projekte, wie zum Beispiel Theateraufführungen.

Reporter: Die Realschule Patternhof in Eschweiler ist bei Kunstlehrern aus Stadt und Kreis Aachen, Düren und sogar bis Köln bekannt. Wie kommt das?

Kunst: Ja, in unserer Schule finden die regionalen Lehrerfortbildungen der Bezirksregierung Köln für das Fach Kunst statt, die von Frau Dittmann und Frau Lahnstein durchgeführt werden. Daher sind unsere Schule und besonders der Kunstbereich vielen Lehrerinnen und Lehrern aus der Region bekannt. Bei diesen Veranstaltungen loben die Kollegen immer wieder die tollen Räumlichkeiten und
Möglichkeiten für die Kunst an unserer Schule. Diese Fortbildungen sind immer ein Gewinn und ein sprudelnder Quell für neue Anregungen.

Reporter: Wie sehen Sie die Zukunft an der Realschule Patternhof für sich?

Kunst: Da habe ich keine Sorge. Wir sind gut aufgestellt – wie man neudeutsch sagt – und die Schulleitung ist auf der Seite der Kunst. Und wenn’s mal eng wird, hilft man uns mit einer kleinen Finanzspritze.

Reporter: Die Kunst hat also einen hohen Stellenwert an Ihrer Schule?

Kunst: Absolut! Ist ja auch wichtig, denn im Zeitalter des Computers wird die Kunst mehr denn je gebraucht als Gegenpol zu all der Technik und Kopflastigkeit. Die Schüler lernen durch die künstlerische, handwerkliche und kreative Betätigung, ihre Feinmotorik auszubilden, ihre Sinne für neue, ungewohnte Wahrnehmungen zu schärfen und sich auf malerischem und grafischem Weg zu äußern. Die Kunst ist deshalb davon überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit künstlerischen Themen wichtige Impulse für die Entwicklung der Schüler gibt.

Reporter: Danke für das Gespräch und noch viel Erfolg für die Kunst an der Realschule Patternhof.